Die Aufzucht von Clownfischen

Warum ist der Clownfisch so beliebt?

Der Clownfisch der Gattung Amphiprion gehört in der Meerwasser-Aquaristik wohl zu den bekanntesten und gefragtesten Fischen überhaupt, spätestens seit „Findet Nemo“ veröffentlicht wurde. Allerdings gibt es neben der äußerst schönen Farbzeichnung noch weitere Gründe, weshalb Anemonenfische so begehrt bei den Aquaristen sind. Denn nicht nur deren Färbung regt zum Beobachten an, sondern auch die gemeinschaftliche Existenz mit den Seeanemonen, mit welchen sie in einer Symbiose leben ist außerordentlich schön anzusehen.

Darüber hinaus stammen die Clownfische häufig aus einer Nachzucht, was nicht nur den Vorteil hat, dass sie widerstandsfähiger als wilde Tiere sind, sondern zudem die Phase der Eingewöhnung wesentlich schneller abläuft. Außerdem ist der Kaufpreis, im Vergleich zu vielen anderen Korallenfischarten, welche aus ihrem natürlichen Lebensraum entrissen und importiert werden müssen, um einiges niedriger. Bevorzugt werden die beiden Arten Amphiprion ocellaris und Amphiprion percula, welche selbst bei einem fachmännischen Blick äußerst schwer voneinander zu unterscheiden sind.

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Maßgeblich für die Artbestimmung sind drei Unterscheidungsmerkmale:

1. Die Anzahl der Hartstrahlen in den Flossen:

Während A. ocellaris in der Rückenflosse 10-11 Hartstrahlen aufweist, sind in der Rückenflosse des A. percula 9-10 Hartstrahlen zu finden. Dieser sehr geringe Unterschied ist bei einem schwimmenden Fisch im Aquarium kaum wahrnehmbar und kann lediglich auf einem Makrofoto bei aufgestellter Rückenflosse gedeutet werden.

2.Die Breite der schwarzen Linien:

Die Schwarzlinie, welche die Kontur der weißen Querbinden bildet, ist bei A. percula breiter als bei A. ocellaris, wobei sich die Ausprägung des Schwarzanteils während des Wachstums vom jungen zum adulten Tier verändern kann. Einige A. percula besitzen ungewöhnlich dünne Schwarzlinien, wogegen manche A. ocellaris Morphen mit einem hohen Schwarzanteil ausbilden, weswegen auch dieses Unterscheidungsmerkmal keine vollständige Gewissheit liefern kann.

3. Die Augenfärbung:

Im Gegensatz zu der Färbung der Iris bei A. percula, welche aus einem intensiven Orange besteht, zeigt die Färbung der Iris bei A. ocellaris eher eine Tendenz vom Orange ins Graue. Dieses Kriterium ist gerade dann entscheidend, wenn die ersten beiden Erkennungszeichen keinen genauen Aufschluss geben konnten.

Die Aufzucht der Larven

Bei den Tieren Amphiprion percula und A. ocellaris ist eine lange Phase der Embryonalentwicklung, welche durch einen großen Dottersack ermöglicht wird, üblich. Diese findet in einem maximal 3 mm langen Ei, mit einer elliptischen Form, statt. In diesem Zeitraum bildet sich das Verdauungssystem wesentlich weiter aus, als bei vielen andern Arten von Korallenfischen, welche über eine kürzere Embryonalentwicklung von nur ein oder zwei Tagen verfügen. Schon zwischen dem dritten und vierten Tag ist das schlagende Herz zu sehen, das Rückenmark, sowie das Gehirn haben sich ebenfalls entwickelt.

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Noch vor dem Zeitpunkt des Schlüpfens ist die Leber bereits voll intakt, um die Nährstoffe aus dem Dottersack umzusetzen. Bis dahin sind schließlich auch die Bauchspeicheldrüse und die Gallenblase voll funktionstüchtig, sodass Eiweiß, Fett und Kohlehydrate verwertet werden können. Demgegenüber wächst der Magen erst nach dem Schlüpfen und nach begonnener Zunahme von Fremdnahrung vollkommen heran. Bei einer Wassertemperatur von 27°C sollte die Dauer der Embryonalentwicklung zwischen 7-8 Tage betragen. Gewöhnlich schlüpfen die Larven nachts und verweilen zunächst ein paar Stunden auf dem Bodengrund. Durch den Dottersack sind sie in den ersten 48-60 Stunden mit den lebensnotwendigen Stoffen verpflegt.

 

Die Fütterung der Larven

Bei der Aufzucht der Larven ist besonders die Verfütterung der wichtigsten Nährstoffe in guter Qualität zu beachten und hierbei das Voranschreiten das Wachstum des Verdauungssystems zu berücksichtigen. Sollte eine ungenügende Ernährung verabreicht werden, können Entwicklungsstörungen auftreten, welche zu Fehlentwicklungen wie Kiemendeckelanomalien, einem hervorstehenden Unterkiefer oder auch Fehlfärbungen führen können. Speziell die Anfangsernährung ist ausschlaggebend für ein langfristig positives Wachstum der zunächst nur ca. 3 mm großen Clownfische.

Die erste Fütterung sollte am zweiten Tag nach dem Schlüpfen stattfinden, wobei nur Substanzen verfüttert werden sollten, die das noch unvollkommene Verdauungssystem nicht zu sehr belasten, also leicht zu verdauen sind. Demnach sollte das Futter unter anderem zwischen 50 und 60 Prozent Protein und Aminosäuren enthalten und zudem noch einen 10 bis 20 prozentigen Anteil an, für die Entwicklung der Zellmembran wesentlichen, Fettsäuren. Hierzu gehören die substanziellen Omega-3-Fettsäuren, Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA), sowie die Omega-6-Fettsäure Arachidonsäure (ARA), welche für diverse physiologische Vorgänge, beispielsweise die Bewältigung von Stress, essenziell ist.

Gleichwohl alle Stoffe im Futter enthalten sein können, muss dennoch deren Relation zueinander bedacht werden. Während ein DHA/EPA-Anteil von 2:1 das Nervensystem vor einer fehlerhaften Ausbildung bewahrt, kann ein EPA/ARA-Anteil von 10:1 einige Funktionsstörungen abwenden. Schließlich sollten noch die Vitamine A,C und E verabreicht werden, die notwendigen Mineralien hingegen sind ohnehin in dem Aquariumswasser enthalten und Kohlehydrate spielen bei der Anfangsernährung vorerst eine untergeordnete Rolle.

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Dieses Nahrungsformat wird den Jungfischen durch die Versorgung mit Rädertierchen (Brachiorius plicantilis und B. rotundiformis) mit einer Dichte von 80 Rotiferen pro Milliliter dargeboten. Darüber hinaus müssen sie mit einzelligen Algen der Gattung Isochrysis (66%) oder der Gattung Nannochloropsis (33%) gesättigt sein. Bei qualitativer Hochwertigkeit sind abgesehen von lebenden Algen auch gefriergetrocknete erwägenswert. Planktonische Algen werden speziell für Aufzucht von Korallenfischlarven kultiviert, wobei Isochrysis und Pavlova angesichts ihres beträchtlichen DHA-Gehaltes bevorzugt werden. Nannochloropsis wiederum ergänzt dies durch den hohen EPA-Gehalt. Bereits am dritten Tag ist gut zu beobachten wie die Larven diese mit den aufgeführten Substanzen versetzten Rädertierchen schnappen und vertilgen.

Innerhalb dieser Periode sollte die tägliche Beleuchtungsdauer auf mindestens 20 Stunden verlängert werden. Die Dunkelphase sollte indessen vier Stunden nicht überschreiten. Im Anschluss an die erste Woche, in welcher diese Ernährung konstant zugeführt wird, wird das Futter in der zweiten Woche um Artemianauplien (450µ) , welche mit den erwähnten Fettsäuren versetzt sind, ergänzt. Die Brachionusfütterung kann dann ausklingen, sobald sich die Fischlarven im Verlauf der zweiten Woche zunehmend von den Artemianauplien ernähren.

 
 
 
 

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